„Das Risiko ist um 50 Prozent geringer.“ Die Zahl klingt eindeutig. Sie sagt allein aber noch nicht, wie häufig das Ereignis in den verglichenen Gruppen auftritt. Dafür braucht es die Ausgangszahlen.
In diesem Beitrag
Absolute Risiken beschreiben, wie häufig ein Ereignis in einer bestimmten Gruppe innerhalb eines festgelegten Zeitraums auftritt. Das relative Risiko setzt zwei solche Risiken ins Verhältnis. Eine relative Verringerung beschreibt, um welchen Anteil das Risiko gegenüber dem Vergleichswert kleiner ist. Der Krebsinformationsdienst des DKFZ erläutert, warum diese Unterscheidung für verständliche Gesundheitsinformationen wichtig ist.
Ein Rechenbeispiel mit erfundenen Zahlen
Die folgenden Zahlen stammen aus keiner Studie. Sie beschreiben keine Krankheit und keine Behandlung. Wir vergleichen zwei gedachte Gruppen mit jeweils 100 Personen über denselben Zeitraum von einem Jahr.
Erfundenes Rechenbeispiel · Je 100 Personen · Zeitraum: ein Jahr
Gruppe A
Gruppe B
Betroffene Person Nicht betroffene Person
| Gedachte Gruppe | Personen mit dem betrachteten Ereignis innerhalb eines Jahres | Absolutes Risiko im Beispiel |
|---|---|---|
| Gruppe A | 2 von 100 | 2 Prozent |
| Gruppe B | 1 von 100 | 1 Prozent |
In Gruppe B tritt das Ereignis bei einer Person je 100 weniger auf als in Gruppe A. Der absolute Unterschied beträgt einen Prozentpunkt: 2 Prozent minus 1 Prozent.
Verglichen mit den zwei Ereignissen in Gruppe A ist ein Ereignis die Hälfte. Die relative Verringerung beträgt deshalb 50 Prozent. Beide Angaben beschreiben denselben Unterschied aus verschiedenen Blickwinkeln.
Prozent ist nicht Prozentpunkt
Ein Rückgang von 2 Prozent auf 1 Prozent entspricht einem Prozentpunkt. Die Aussage „ein Prozent weniger“ wäre dafür ungenau, weil sie auch eine relative Veränderung meinen könnte.
Für dieses Beispiel ist „eine Person weniger je 100 innerhalb eines Jahres“ besonders anschaulich. Auch dabei müssen die gleich großen Gruppen und der gleiche Zeitraum erkennbar bleiben.
Die Darstellung zeigt keinen Wechsel derselben Personen von Gruppe A nach Gruppe B. Sie enthält auch keine Aussage darüber, was den Unterschied verursacht hat.
Was sagt das über eine einzelne Person?
Eine Gruppenangabe sagt nicht voraus, bei welcher Person ein Ereignis auftritt. Bei wirklichen Studien kommen weitere Fragen hinzu: Wer wurde untersucht? Wie wurde verglichen? Wie sicher ist die Schätzung? Passen die Ergebnisse zur Frage, um die es gerade geht?
Wenn du einer Prozentangabe begegnest, kannst du zunächst nach den Ausgangszahlen fragen: „Wie viele Menschen von 100 oder 1.000 sind betroffen, über welchen Zeitraum und im Vergleich womit?“ Für eine Behandlungsentscheidung gehören außerdem mögliche Nachteile und die Einordnung in der Praxis dazu.
